Das große Sportplatz-ABC

Das Sportplatzprojekt ist ziemlich vielschichtig. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir einen Fragenkatalog zusammengestellt und Antworten recherchiert. Dort wo nur drei Punkte stehen, fehlen uns noch verlässliche Angaben und Auskünfte. Wir laden dich ein, das ABC gemeinsam mit uns weiterzuschreiben. Bitte weise uns auch auf fehlerhafte bzw. unvollständige Stellen hin. Du erreichst uns per Mail an austausch@wattenswandeln.at. Bitte hinterlege deine Angaben mit Quellen.

Stand: 27. Mai 2021

Hinweis: Die aktuelle R19 kann hier heruntergeladen werden. Für frühere Ausgaben schick uns bitte eine Mail. Für manche Online-Artikel der Tiroler Tageszeitung (TT) musst du dich dort registrieren.

Wie alles begann

Wir schreiben das Jahr 2018. Der Sportplatz ist in die Jahre gekommen. Der WSG Wattens schwebt ein großer Umbau vor, rückt doch der Aufstieg in die Bundesliga in greifbare Nähe. Weil der Bürgermeister die Gemeinde in Finanzierungsnöten sieht und die WSG ein „sehr gutes Angebot“ vorgelegt hat, beschließt der Gemeinderat im Juni 2019 einstimmig, das Areal über zehn Jahre an die WSG zu verpachten. Im Mai 2020 beginnen die Umbauarbeiten mit der Rodung des Areals. Kaum sind diese Tatsachen geschaffen, wird Kritik laut: Über das Großprojekt Sportplatzumbau sei die Öffentlichkeit von der Gemeindeführung zu wenig informiert und eingebunden worden. Die Kritik hält seitdem an.

Updates

25. Mai 2021
In der Gemeinderatssitzung vom 20. Mai 2021 stellte Gemeinderat Lukas Schmied eine schriftliche Anfrage zum geplanten, bundesligatauglichen Ausbau des Gernot-Langes-Stadions (siehe „Gemeinderat“).

25. Mai 2021
Neuer Punkt „Gemeinderat“

Themenübersicht

Bäume — Behindertensport — Bundesliga — Einschränkungen — Geld — Gemeinderat — Gemeinwohl — Gesamtkonzept — Leichtathletik — Multifunktionsanlage — Parkplätze — R19 — Transparenz — Unterschriften — Verkehrskonzept — Vision Wattens

Bäume

Warum mussten die achtzehn großen Bäume gefällt werden?

Laut R19 vom Juni 2020 mussten „aus raumplanerischen Gründen einige Bäume gefällt werden, um mit dem eingeschränkten Platzverhältnissen auszukommen.“ Das Wort „einige“ ist hier nicht ganz richtig. Es waren „alle“ Bäume.

Weil die Baumfällung im Mai, mitten in der Vogelbrutzeit, erfolgte, stand ein mögliches Strafverfahren im Raum. Was kam heraus?

Das Umweltamt der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck Land hat uns die Auskunft gegeben, dass zurzeit ein Verfahren läuft.

Werden die Bäume ersetzt?

R19 vom Juni 2020: „Die Grünflächen und die Bepflanzung werden wieder hergestellt. Die Marktgemeinde Wattens ist sicher ein Vorbild in Tirol in Sachen neu geschaffener Grünflächen. Auch die neue regionale Sportanlage wird dem in nichts nachstehen und eine ,grüne‘ Sportstätte werden.“ Jüngsten Informationen zufolge soll unter anderem eine Handvoll Bäume gesetzt werden. Ob die Nachpflanzungen den ökologischen Wert des alten Bestandes erreichen, ist fraglich.

Falls die Überdachung der Osttribüne kommt, werden dann auch die Bäume in der Sebastian-Schrott-Straße östlich des Stadions (gegenüber der Hochhäuser) gefällt?

Behindertensport

Regelmäßig betont die Gemeindeführung, besonders viel Augenmerk auf den Behindertensport gelegt zu haben. Inwieweit wurde die Sportgemeinschaft in die Planungen eingebunden?

Die Sportgemeinschaft Wattens (SG) ist ein ehrenamtlicher Verein, nicht zu verwechseln mit der WSG (Werksportgemeinschaft Wattens). Über viele Jahre hat die SG am Wattener Sportplatz nicht nur Behindertensport, sondern Inklusionsarbeit durch gemeinsamen Sport von behinderten und nicht-behinderten Menschen betrieben. In der R19 vom Feber 2019 kündigte der Bürgermeister an, dass „gemeinsam mit allen Beteiligten“ ein Gesamtkonzept erarbeitet werde. Im August 2019 startete die SG eine Petition für den Erhalt der alten Leichtathletik-Anlage – was nicht gerade auf eine harmonische Zusammenarbeit schließen lässt.

Bundesliga

Welche Kriterien muss ein Fußballstadion für die Bundesliga erfüllen?

Die Stadionbestimmungen der Österreichischen Bundesliga sind in drei Stufen unterteilt: A-Kriterien sind zwingend vorgeschrieben, um überhaupt eine Spiellizenz zu bekommen. Zu ihnen zählen ein geschützter Bereich für die Mannschaftsbusse und eine Flutlichtanlage. B-Kriterien sind fordernd: Bei (auch nur temporärer) Nicht-Erfüllung wird eine Verwarnung bzw. Geldstrafe verhängt. Ein B-Kriterium ist beispielsweise die Anbringung eines Großbildschirms. C-Kriterien sind Empfehlungen, zu ihnen zählt etwa ein Verkehrsleitsystem, das zusammen mit der örtlichen Behörde erarbeitet werden solle.

Einschränkungen

In der Vergangenheit hatten Anrainer/innen aufgrund der Absperrungen teilweise Probleme, um zu ihren Wohnungen bzw. zu den umliegenden Freizeiteinrichtungen zu gelangen (Schwimmbad, Funpark, Spielplatz, …). Welche Lösung ist geplant?

Nachdem in der Vergangenheit verhaltensauffällige Fans schon mehrmals Probleme verursacht haben (Raufereien, Sachbeschädigungen, Urinieren, Müll): Wer haftet für sich daraus ergebende Personen- und Sachschäden?

Wenn ein Bundesligaspiel in Wattens stattfindet, bleibt der Eislaufplatz bzw. das Alpenbad dann geöffnet?

Welche Lösung gibt es für die durch das leistungsstärkere Flutlicht beeinträchtigten Anrainer/innen?

Aufgrund der Helligkeit und der Blendwirkung des neuen Flutlichts gab es im Frühjahr 2021 rund um das Stadion massive Beschwerden, was auch die Bezirkshauptmannschaft Innsbruck Land bestätigt. Erst nachdem Anrainer/innen einen Rechtsanwalt einschalteten, führte die WSG Messungen durch und erklärte sich danach bereit, die Scheinwerfer mit Blendschutzklappen nachzurüsten.

Wie stellt man sicher, dass die Grenzwerte für Licht- und Lärmemission nicht überschritten werden?

Wird die Gemeinde die Immissionsgrenzwerte sowohl als Verpächterin als auch als Baubehörde einfordern? Werden dazu im Vorfeld einer eventuellen Genehmigung entsprechende Gutachten eingeholt?

Wer kommt für die Wertminderung der angrenzenden Immobilien auf, die sich durch einen möglichen Stadionumbau ergibt?

Ein Teil der Anrainer/innen beauftragt dazu einen Sachverständigen.

Geld

Was kostet die Neugestaltung der Sportanlage und wer zahlt was?

Laut R19 vom Juli 2019 und September 2020 beläuft sich die erste Baustufe auf 3 Millionen Euro. Sie umfasst den Kunstrasenplatz und Rasenplatz, die Leichtathletikanlage, die Sanierung bestehender Kabinen, Werkstätte und Lagerräume. Die zweite Baustufe kommt auf 2,6 Millionen Euro und beinhaltet die Sanierung und den Neubau des Kabinentrakts mit vier Einheiten, einen Fitnessraum, einen Veranstaltungs- und Besprechungsraum, ein Bürogebäude und Archivräume. Für das Stadion – die Installierung einer Rasenheizung und die Überdachung der Osttribüne – würden weitere 2,5 bis 3 Millionen Euro anfallen, die Kosten werde die WSG selbst finanzieren. Für die ersten beiden Baustufen stellen Gemeinde und Land jeweils 2 Millionen Euro zur Verfügung. In das Sportgelände fließen insgesamt bis zu 6 Millionen Euro an öffentlichem Geld: Die genannten jeweils 2 Millionen Gemeinde und Land, zudem steuert die Gemeinde maximal zwei Millionen Euro als Abgangsdeckung bei, verteilt über eine Laufzeit von zehn Jahren.

Aus welchem Fördertopf kommen die 2 Millionen, die das Land Tirol zum Umbau der Sportanlage beisteuert?

Wir haben in der Landesverwaltung nachgefragt: Das Geld stammt weder aus der Infrastrukturförderung noch aus der Sportförderung. Wir warten zurzeit auf nähere Auskünfte.

Was ist dran an den 250.000 Euro Betriebskosten?

Die WSG bekommt von der Gemeinde eine Abgangsdeckung von maximal zwei Millionen Euro (aufgeteilt auf zehn Jahre, also 200.000 Euro pro Jahr). Die R19 berichtete dazu im April 2021 etwas ungenau: „Die jährlichen Betriebskosten der Sportanlage, wie schon in den vergangenen Jahren, kamen die Marktgemeinde Wattens auf stolze 250.000 Euro. Ab sofort wird dieser Betrag für die Marktgemeinde auf 200.000 jährlich reduziert und gedeckelt.“ Es entsteht der Eindruck, dass sich die Gemeinde pro Jahr bis zu 50.000 Euro spart. Aus den Rechnungsabschlüssen der Jahre 2010 bis 2019 ergibt sich aber folgendes Bild: Die durchschnittlichen Einnahmen lagen in diesen zehn Jahren bei 50.000 Euro, die durchschnittlichen Ausgaben bei 263.000 Euro. Der Abgang lag demnach bei durchschnittlich 213.000 Euro. In unseren Augen liegt die jährliche Einsparung für die Gemeinde also nicht bei 50.000, sondern bei 13.000 Euro.

Was passiert mit der Sportanlage, sollte die WSG nicht mehr in der Bundesliga spielen? Wer trägt dann die Erhaltungs- und Betriebskosten?

Gemeinderat

Wie stehen die Mitglieder des Gemeinderats zum Projekt?

Die Entscheidung, die Sportanlage über zehn Jahre an die WSG zu verpachten, fiel einstimmig (siehe oben, „Wie alles begann“). Für die Liste Gemeinsam für Wattens sei die Sanierung „längst überfällig“ gewesen. Die FPÖ hatte im Vorfeld der Entscheidung eingemahnt, dass der Behindertensport weiterhin Platz haben müsse. Zudem hatte Gemeindevorstand Erich Steiner (FPÖ) bemängelt, dass man über das Konzept „sehr kurzfristig“ informiert worden war. In der Gemeinderatssitzung vom 20. Mai 2021 stellte Gemeinderat Lukas Schmied, seit Jänner 2021 freier Gemeinderat, eine schriftliche Anfrage mit neun Fragen zum geplanten, bundesligatauglichen Ausbau des Gernot-Langes-Stadions:

1) Inwiefern beeinträchtigen Bundesligaspiele den Betrieb von Schwimmbad oder Eislaufplatz?
2) Welche Lösungen sieht das Verkehrskonzept für Zu- und Abfahrt sowie Parken vor und mit welchen Einschränkungen haben die Anrainer*innen bei normalem Spielbetrieb zu rechnen?
3) Welche Sicherheitsrisiken kommen auf die Anrainer*innen im unmittelbaren und mittelbaren Umfeld des Stadions zu?
4) Wie verändert sich die Lichtleistung der Flutlichtanlage und was wird getan, um die Licht- und Lärmbelastung der Anrainer*innen so gering wie möglich zu halten?
5) Wer trägt die langfristigen Folgekosten für den etwaigen Rückbau oder die Sanierung der Rasenheizung?
6) Wie wirkt sich ein bundesligataugliches Stadion auf den Trainings- und Spielbetrieb des WSG-Nachwuchses inkl. zweiter und dritter Kampfmannschaft aus?
7) Welche Folgen hat die angesuchte Änderung der Baufluchtlinie für zukünftige, ähnlich gelagerte Bauprojekte?
8) Inwiefern schränkt der Umbau die öffentliche Nutzung des Stadions ein (beispielsweise für Sportveranstaltungen, Konzerte o.ä.)?
9) Wie steht das Land Tirol – in Person von Sportlandesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler sowie in Person von Landeshauptmann Günther Platter – zu einem zweiten bundesligatauglichen Stadion im Tiroler Zentralraum?

Laut Tiroler Gemeindeordnung (§ 42 Abs. 2) muss die Anfrage binnen sechs Wochen schriftlich beantwortet werden. Findet in dieser Zeit eine weitere Gemeinderatssitzung statt, kann die Antwort auch mündlich erfolgen.

Gemeinwohl

Welchen öffentlichen Mehrwert hat der Umbau?

„Da entsteht viel Wertvolles für das Gemeinwohl“, sagte der Bürgermeister in der TT vom 22. Mai 2020. Gerne verweisen Gemeindeführung und R19 in diesem Zusammenhang auf die 200 Kinder in der WSG. Die WSG betreibt ohne Zweifel wertvolle Nachwuchsarbeit. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass der Verein hauptsächlich auf Leistungssport setzt und unter den Nachwuchsmannschaften „leistungsorientierte Selektion“ verfolgt (Schreiben der WSG vom Mai 2018). Abgesehen davon können Hobbymannschaften und Einzelpersonen die Anlage weiterhin nutzen, ab und an tauchen allerdings Probleme auf – noch wartet man auf klare Öffnungszeiten. Auch der Behinderten- und Schulsport sei weiterhin möglich, nähere Angaben kennen wir nicht.

Gibt es ein Nutzungskonzept des Stadions für die Bevölkerung abseits von Bundesligaspielen?

Gesamtkonzept

Wie sieht das angekündigte Gesamtkonzept im Detail aus?

In der Sitzung vom 28. Juni 2018 beschloss der Gemeinderat ein Gestaltungskonzept für das Sportareal. Die Kosten beliefen sich auf 28.000 Euro, wovon die WSG die Hälfte übernahm. Der Bürgermeister in der R19 vom Feber 2019: „Wie bei allen anderen Entwicklungsprojekten war es uns auch bei der Sportanlage wichtig, gemeinsam mit allen Beteiligten ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Anhand dessen werden wir nun versuchen, eine für alle tragbare Vorgehensweise zu definieren.“ Denn die Nutzungen seien vielfältig – „Fußball, Eishockey, Beachvolleyball, Judo, Behindertensport, die Skater und mehr“ – und ebenso die Wünsche. In fußballerischer Hinsicht mag man meinen, dass der bundesligataugliche Umbau des Stadions zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts war, zumal die WSG selbst die Neugestaltung des Sportgeländes ins Spiel brachte und der Aufstieg in die Bundesliga in Reichweite war. Das scheint aber nicht der Fall gewesen zu sein: Mitte 2019 stellte der Bürgermeister klar, dass die „Stadionfrage derzeit kein Thema sei“. Was steht dann drinnen im Gesamtkonzept? Im März 2021 die große Überraschung: Auf mündliche Nachfrage bei drei Mitgliedern des Gemeinderats war zu erfahren, dass es gar kein Gesamtkonzept gebe.

Was spricht dagegen, den Pachtvertrag mit der WSG offen zu legen?

Der Pachtvertrag würde Aufschluss über das „sehr gute Angebot“ geben, das die WSG der Gemeinde unterbreitet hat.

Welche Rolle spielte der Tiroler Sportstättenstrategieplan bei der Neugestaltung der Sportanlage?

Der Plan dient als Leitbild für die Entwicklung der Sportinfrastruktur in Tirol. Ziel ist „die Sicherstellung eines am lokalen Sportbedarf orientierten Angebotes an Bewegungsräumen für Menschen aller Altersgruppen mit ihren jeweiligen sportlichen Interessen und Ansprüchen“. Damit solle „ein optimales Nebeneinander und Ineinandergreifen von Spitzensport, Freizeit- und Gesundheitssport“ erreicht werden. Demographische und soziologische Veränderungen brächten mit sich, dass etwa der Bedarf nach Sportgelegenheiten für nicht-organisierten Individualsport steige.

Leichtathletik

Welche Rolle spielte die Errichtung einer neuen Leichtathletik-Anlage für den Nachweis der Multifunktionalität?

Mit der Infrastrukturförderung des Landes Tirol soll „die Finanzierung der Errichtung und Verbesserung von multifunktionalen, örtlichen und regionalen Sportinfrastrukturanlagen erleichtert, der Breitensport und die regionale Freizeitwirtschaft gefördert und die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung verbessert werden“. Die „Multifunktionalität“ einer Sportanlage ist Voraussetzung, um an öffentliche Gelder zu gelangen. Mitte 2019 kündigte die WSG an, „alle Fördermöglichkeiten von Land und Bundesliga“ ausschöpfen zu wollen. Mitte 2020 war zu lesen, die WSG habe sich „bereit erklärt, die Leichtathletik-Anlage topmodern wiederzuerrichten“.

War die Tartanbahn wirklich kaputt, wie in den Medien mehrmals behauptet wurde?

Die R19 vom Juni 2019 sagt ja, die Sportgemeinschaft Wattens nein. Letzterer zufolge hatte die 400-Meter-Laufbahn zwei Löcher, die aber fachmännisch repariert worden waren. Sie sei zudem besser in Schuss gewesen als die Bahn im Leistungszentrum Südstadt, wo immerhin die österreichischen Topathlet/innen ihr Kadertraining absolvieren. Laut R19 vom Mai 2020 sei die Tartanbahn zudem „nicht mehr zeitgerecht“ gewesen. Durch die fehlende 400-Meter-Laufbahn verliert die Leichtathletikanlage ihre Wettkampftauglichkeit und damit ihre überregionale Bedeutung.

Multifunktionsanlage

Als Ersatzfläche für den Breitensport möchte die Gemeinde eine Multifunktionsanlage errichten. Warum wurde deren Errichtung nicht vor Beginn des Sportplatzumbaus angegangen, um der Bevölkerung eine Ausweichfläche anzubieten?

Seit 2018 hat die Gemeinde Mittel für die Ausweichsfläche im Budget – und seitdem arbeitet sie laut Bürgermeister „intensiv an der Standortfrage“. Laut TT vom 17. Mai 2021 ist die Multifunktionsanlage (in anderen Quellen auch „Bolzplatz“ oder „Ballsportanlage“ genannt) am Eislaufareal geplant – vermutlich als temporäre Anlage in den warmen Monaten. Falls es so kommt, stellt sich die Frage, wie sich Eislauf und Ballspiel in der Übergangszeit unter einen Hut bringen lassen und welchen Mehrwert diese Lösung im Vergleich zur alten Sportanlage hat.

Wenn der Breitensport am Sportareal „wie bisher“ gesichert sein soll, wozu ist die Suche nach einem Standort für die Multifunktionsanlage dann überhaupt nötig?

In der R19 vom Juni 2019 wurde berichtet, dass „die sportbegeisterte Bevölkerung sowie der Breitensport von Wattens in Zukunft wie bisher im Sportareal gesichert sein“ soll. Wieviel Platz die Öffentlichkeit neben dem Trainingsbetrieb der WSG (mit immerhin 200 Kindern und 150 Erwachsenen) haben wird, konnten wir bislang nicht in Erfahrung bringen.

Parkplätze

Wo werden die gemäß Stellplatzverordnung der Marktgemeinde Wattens vorgeschriebenen 450 Parkplätze untergebracht?

Die Stadionbestimmungen der Österreichischen Bundesliga geben hier lediglich eine Empfehlung ab (Punkt 10.2): Alle Parkplätze mögen „aus festem Material wie Beton bestehen und gegen unbefugtes Eindringen geschützt werden“. Außerdem sollen sie nicht weiter als 1.500 Meter vom Stadion entfernt sein. Die Stellplatzverordnung der Gemeinde schreibt 1 Parkplatz pro 10 Gäste vor, die in einem Umkreis von 300 Metern liegen müssen. Laut TT vom 17. Mai 2021 soll ein Feld hinter dem Funpark für temporäre Parkmöglichkeiten angemietet werden. Mehr…

Wo parken die Medienvertreter/innen, die Gäste- und Shuttlebusse?

Die Bundesliga schreibt in ihren Stadionbestimmungen (Punkt 10.3) insgesamt sechs Parkplätze für den Gästeklub, Schiedsrichter und Schiedsrichterbeobachter sowie den Spielbeobachter vor. Sie sollen vorzugsweise auf dem Stadiongelände und nicht öffentlich zugänglich sein. Für VIPs (10.4) und Medienvertreter/innen (10.5) wird ein eigener Parkplatz nicht zwingend vorgeschrieben, sondern empfohlen. Für die Fans der Gästemannschaft braucht es von den Heimfans abgetrennte Busparkplätze, die möglichst nahe am Gästefansektor liegen müssen (10.9).

R19

Warum entsteht der Eindruck, dass die R19 einseitig berichtet?

Der Herausgeber der R19 und der Geschäftsführer der Infrastruktur GmbH der WSG sind ein und dieselbe Person.

Transparenz

Warum wurden die Anrainer/innen und die Bevölkerung nicht umfassender über das Projekt informiert?

In der TT vom 7. Juni 2020 kritisierte die Initiative wattenswandeln öffentlich die mangelnde Information und Einbindung der Bevölkerung. Die Vorwürfe wiesen „alle Gemeinderatsfraktionen klar zurück.“ „Bei Infoveranstaltungen lagen die Pläne am Tisch“, sagte der Bürgermeister (wobei wir bis heute nicht wissen, welche Infoveranstaltungen er damit meinte) und fügte hinzu: „Wer nichts über das Projekt weiß, hat sich der Information entzogen.“ (Eigentlich wussten wir recht viel, nachdem wir sämtliche öffentlich auffindbaren Quellen mühevoll zusammengetragen hatten). Noch im November 2020 meinte er in der R19, „dass eine Interessengruppe mit ihren Äußerungen sehr viel Schaden angerichtet hat.“ In der TT vom 17. Mai 2021 kritisierten Anrainer/innen abermals die „mangelnde Transparenz“. Diesmal betonte der Bürgermeister, „die Bedenken ,absolut ernst‘ zu nehmen.“ Zuvor sagte der Geschäftsführer der Infrastruktur GmbH der WSG in der TT vom 4. April 2021: „Wenn wir von der Gemeinde dazu eingeladen werden, stehen wir den Anrainern gerne Rede und Antwort. Wir haben nichts zu verheimlichen.“ Warum es dazu erst die Einladung der Gemeinde braucht, wissen wir nicht. Der Bürgermeister merkte an: „Die WSG arbeitet sehr ehrlich und transparent.“ Die Im selben Artikel wurden angekündigt: ein Tag der Offenen Tür am Sportplatz für Mitte Mai (noch ausständig) sowie ein Postwurf an alle Wattener Haushalte (noch ausständig).

Unterschriften

Wo kommen die 1400 Unterschriften her?

Die R19 gab im Anfang April 2021 bekannt: „Immerhin 1400 Wattnerinnen und Wattner waren mit ihrer Unterschrift für das Projekt.“ Die Zahl darf zumindest in Zweifel gezogen werden. Die Online-Petition bekam 590 Stimmen, darunter aber nur 159 aus Wattens. Daneben gab es eine analoge Unterschriftenaktion und eine Umfrage per WhatsApp. Weder R19 noch WSG haben bislang klar machen können, aus welchen Gemeinden und Altersgruppen die Stimmen kamen und ob Mehrfachnennungen ausgeschlossen wurden. Mehr…

Verkehrskonzept

Wie sieht das Verkehrskonzept aus?

Die Autos der Gäste sollen per Einbahnregelung über den Feldweg nach Volders abgeleitet werden. Wieviel Verkehr dann über die Bundesstraße und Bahnhofstraße zurück ins Dorf fließen wird, um zur Autobahn zu kommen, wird vermutlich noch geklärt. „Die WSG habe ein renommiertes technisches Büro beauftragt, das derzeit dieses Konzept ausarbeite.“ Zusätzlich soll ein Shuttleservice eingerichtet werden. Mehr…

Vision Wattens

Inwiefern folgt das Sportplatzprojekt der Vision Wattens?

Der Bürgermeister im Jahr 2018: „Die Vision prägt alle bevorstehenden Projekte – von der Begegungszone bis zur Neukonzeptionierung des Sportareals.“ Der übergeordnete Strategieplan Vision Wattens ist „die Manifestation einer gemeinsamen Grundhaltung zur Gestaltung des Wattens der Zukunft.“ Dort ist von „aktivem Dialog mit den Bürgern die Rede“ (vgl. „Transparenz“) oder dass „neue Projekte einen sensiblen Umgang mit der Natur“ erfordern (vgl. „Bäume“). Die Gemeindeführung hat die Sportanlage bislang in keinen schlüssigen Zusammenhang mit der Vision Wattens gebracht.

Bild: www.tirol.gv.at/tiris